Wudu machen: Die Gebetswaschung Schritt für Schritt

Wudu (die Gebetswaschung) ist vor jedem Gebet Pflicht. Lerne die richtige Reihenfolge, die Ausführung und häufige Fehler, die du vermeiden kannst.

Von Benjamin · · 5 Min. Lesezeit

Was ist Wudu?

Wudu (auch Wudhu geschrieben, auf Deutsch Gebetswaschung) ist die islamische rituelle Reinigung mit Wasser. Bevor du im Gebet (Salah) vor Allah stehst, bereitest du dich vor, indem du bestimmte Körperteile in einer festen Reihenfolge wäschst. Sieh es als körperlichen und geistigen Neustart: Du wäschst kleine Unreinheiten ab, damit du dem Gebet gesammelt und klar begegnen kannst.

Wudu ist nicht freiwillig. Es ist die Voraussetzung für jede Salah, du machst es also mehrmals am Tag. Die gute Nachricht: Wenn du die Schritte einmal gelernt hast, dauert das Ganze etwa zwei Minuten.

Wann brauchst du Wudu?

Du musst im Zustand des Wudu sein, wenn du die Salah betest oder den Quran in die Hand nimmst. Wenn du noch Wudu von einem früheren Gebet hast und nichts es gebrochen hat, musst du es nicht wiederholen; dein Wudu gilt weiter.

Dein Wudu wird gebrochen (ungültig) durch Folgendes:

  • Den Gang zur Toilette (Urin oder Stuhl)
  • Blähungen
  • Tiefen Schlaf (liegend oder so angelehnt, dass du nichts mehr mitbekommst)
  • Starkes Bluten aus einer Wunde
  • Erbrechen

Bei den letzten beiden kommt es auf deine Rechtsschule an: Fließendes Blut und Erbrechen, das den Mund füllt, brechen das Wudu in der hanafitischen Rechtsschule und in der hanbalitischen, wenn es viel ist; in der schafi'itischen und der malikitischen nicht. Wenn dir etwas davon passiert, nachdem du Wudu gemacht hast, aber bevor du betest, mach einfach noch einmal Wudu. Wie oft du am Tag Wudu machst, ist nicht begrenzt.

Was du brauchst

Du brauchst nur sauberes Wasser. Das ist alles. Keine besonderen Hilfsmittel, keine Seife, keine Gefäße. Ein ganz normales Waschbecken reicht völlig. Viele Muslime auf der Welt machen Wudu zu Hause, auf der Arbeit, in der Moschee oder überall, wo es fließendes Wasser gibt.

Die Schritte des Wudu (der Reihe nach)

Wudu hat eine feste Reihenfolge. Mach jeden Schritt ruhig und gründlich: nicht hastig, aber auch nicht übertrieben langsam. Der Prophet Muhammad (Friede sei mit ihm) lehrte, dass sparsamer Umgang mit Wasser zur Praxis dazugehört.

  1. Fasse deine Absicht (Niyya): Bevor du das Wasser aufdrehst, fasse im Herzen die aufrichtige Absicht, Wudu für Allah zu machen. Du musst die Absicht nicht laut aussprechen. Sie ist eine stille, innere Entscheidung.
  2. Sag „Bismillah“: Fang damit an, „Bismillah“ (Im Namen Allahs) zu sagen. Das kannst du leise für dich sagen.
  3. Wasch dreimal die Hände: Fang mit der rechten Hand an, dann die linke. Wasch jede Hand bis zum Handgelenk und achte darauf, dass das Wasser zwischen die Finger kommt. Dreimal wiederholen.
  4. Spül dreimal den Mund aus: Nimm Wasser in die rechte Hand, spül es im Mund herum und spuck es aus. Dreimal wiederholen. Das heißt Madmada.
  5. Spül dreimal die Nase aus: Nimm Wasser in die rechte Hand, zieh es vorsichtig in die Nasenlöcher und schnäuze es wieder aus. Dreimal wiederholen. Das heißt Istinshaq. Am Anfang fühlt es sich vielleicht seltsam an. Fang mit wenig Wasser an und steigere dich, bis es angenehm ist.
  6. Wasch dreimal das Gesicht: Wasch mit beiden Händen das ganze Gesicht. Der Bereich reicht vom Haaransatz bis zum Kinn und von einem Ohr zum anderen. Achte darauf, dass das Wasser jede Stelle erreicht, auch die Augenbrauen und die Haut unter dem Bart. Dreimal wiederholen.
  7. Wasch dreimal den rechten Arm, dann dreimal den linken: Wasch von den Fingerspitzen bis einschließlich Ellbogen. Fang immer mit dem rechten Arm an und dann den linken. Für jeden Arm dreimal wiederholen.
  8. Streich einmal über den Kopf: Mach beide Hände nass und streich damit über den Kopf, vom vorderen Haaransatz nach hinten und dann wieder nach vorn. Das machst du einmal, nicht dreimal. Das heißt Mash.
  9. Streich einmal über die Ohren: Mit der Feuchtigkeit, die noch an deinen Händen ist (oder mit frischem Wasser), streichst du mit den Zeigefingern über die Innenseite jedes Ohrs und mit den Daumen über die Außenseite. Das machst du einmal.
  10. Wasch dreimal den rechten Fuß, dann dreimal den linken: Wasch jeden Fuß bis einschließlich Knöchel. Achte darauf, dass das Wasser zwischen die Zehen kommt. Fang mit dem rechten Fuß an, dann der linke. Für jeden Fuß dreimal wiederholen.

Das war es schon. Du bist jetzt im Zustand des Wudu und bereit zu beten.

Das Bittgebet nach dem Wudu

Nach dem Wudu ist es empfohlen (Sunnah), dieses Bittgebet zu sprechen:

„Ash-hadu an la ilaha illallah, wa ash-hadu anna Muhammadan abduhu wa rasuluh.“

Übersetzung: „Ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt außer Allah, und ich bezeuge, dass Muhammad Sein Diener und Gesandter ist.“

Dieses Bittgebet ist ein schöner Abschluss. Es bekräftigt deinen Glauben direkt bevor du ins Gebet gehst.

Tipps für Anfänger

Die ersten Male fühlt es sich vielleicht ungewohnt an, und das ist völlig normal. Ein paar Dinge, die dir beim Lernen helfen:

  • Mit Übung geht es schneller. Dein erstes Wudu dauert vielleicht fünf oder sechs Minuten, weil du über jeden Schritt nachdenkst. Nach ein, zwei Wochen bist du wahrscheinlich in unter zwei Minuten fertig, ohne darüber nachzudenken.
  • Verschwende kein Wasser. Der Prophet (Friede sei mit ihm) riet davon ab, zu viel Wasser zu verwenden, selbst beim Waschen an einem Fluss. Dreh den Hahn sanft auf statt voll.
  • Es ist in Ordnung, nach und nach zu lernen. Wenn du dir nicht sofort jeden Schritt perfekt merken kannst, gib dein Bestes und übe weiter. Allah sieht dein Bemühen und deine Aufrichtigkeit.
  • Nimm am Anfang dein Handy zu Hilfe. Es ist keine Schande, die Schritte beim Lernen auf dem Bildschirm zu haben. Stell dein Handy neben das Waschbecken und schau zwischen den Schritten drauf, bis sich der Ablauf natürlich anfühlt.
  • Trag Kleidung, die es leichter macht. Wenn du lange Ärmel vorher hochkrempelst, sparst du Zeit und deine Kleidung bleibt trocken. Manche legen sich ein kleines Handtuch für danach bereit.

Die Gewohnheit aufbauen

Wudu ist eines der ersten Rituale, die du als neuer Muslim lernst, und es wird erstaunlich schnell zur zweiten Natur. Weil du es vor jedem Gebet wiederholst, sitzen die Bewegungen bald. Viele Muslime empfinden den Ablauf als richtig beruhigend, als einen Moment stiller Sammlung, bevor sie sich zum Gebet hinstellen.

Wenn du eine Anleitung zum Mitmachen am Waschbecken möchtest: Revertly hat eine interaktive Wudu-Anleitung, die dich durch jeden Schritt führt. Sie ist für Menschen gemacht, die es zum ersten Mal lernen. Wenn du dich beim Wudu sicher fühlst, ist der nächste Schritt, das Gebet selbst zu lernen.

Lass dir Zeit damit. Jeder Muslim, der heute betet, hat denselben Lernweg hinter sich, den du gerade gehst. Schon bald fühlt sich Wudu so natürlich an wie Händewaschen.

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